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SWISS TXT Informiert

17.07.2014

Live-Untertitelung: Qualität kann sich sehen lassen

Die Qualität der Live-Untertitelung am Schweizer Fernsehen in den Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch wurde mithilfe des NER-Modells beurteilt. In diesem Modell werden Fehler nach Bedeutung für das Verständnis bzw. der Verfremdung des Inhalts bewertet. Live-Untertitel, die nach dieser Methode einen Wert von 98% erreichen, werden als gut bezeichnet.

 

Eine erste Teiluntersuchung der Live-Untertitelung am Schweizer Fernsehen in den Sprachen Deutsch, Französich und Italienisch zeigt, dass sich dessen Qualität im internationalen Vergleich sehen lassen kann, aber verbesserungswürdig ist.

Auffallend ist vor allem der Unterschied in Bezug auf die Qualität zwischen Untertiteln in kurzen Live-Beiträgen (Schaltungen zu Korrespondenten) und längeren Live-Passagen (Diskussionsrunden, Interviews mit Studiogästen). Bei Ersteren fällt auf, dass der Inhalt gekürzt wird und nicht immer leicht verständlich ist. Als Ursache für diese Kürzung lässt sich die äusserst kurze Umlaufzeit anführen, in der diese Live-Untertitel produziert und zeitgleich in einem vorproduzierten Nachrichtenbeitrag eingebettet werden müssen.

Erwähnenswert ist ausserdem der Unterschied in Bezug auf die unterschiedlichen Sprechgeschwindigkeiten in den drei Sprachregionen: Am schnellsten wird am Westschweizer Fernsehen gesprochen (200 wpm), gefolgt vom Deutschweizer (Dialekt 180 wpm, Hochdeutsch 160 wpm) und Tessiner Fernsehen (160 wpm). Damit lässt sich erklären, warum die französischsprachigen Live-Untertitel den höchsten Kurzüngsgrad aufweisen.

Allgemein kann gesagt werden, dass der eingangs erwähnte NER-Wert von 98% bei kurzen Live-Beiträgen nicht immer erreicht wird, dafür generell bei längeren Live-Passagen.

Weitere wichtige Kriterien im Zusammenhang mit der Qualität von Live-Untertiteln sind:

  1. die Verzögerung, mit welcher die Live-Untertitel am Bildschirm erscheinen;
  2. die Dauer, welche die Live-Untertitel am Bildschirm sichtbar sind;
  3. die Form, mit welcher die Live-Untertitel am Bildschirm dargestellt werden.
Der Autor dieser Untersuchung kann versichern, dass SWISS TXT sowohl an technischen Verbesserungen arbeitet als auch versucht, aktuelle Forschungsergebnisse im Bereich der Rezeption von Untertiteln anzuwenden, um die Qualität in Bezug auf die drei vorher erwähnten Punkte zu verbessern.

Eine zweite Teiluntersuchung wird diesen Herbst durchgeführt. Danach wird ein Bericht mit detailierten Ergebnissen vorliegen.

Autor: Juan Martinez arbeitet seit 2008 als selbstständiger Berater und Ausbildner im Bereich Spracherkennung für verschiedene private und öffentliche Fernsehsender in Europa. Zusammen mit Pablo Romero-Fresco (University of Roehampton, UK) hat er das NER-Modell entwickelt, das in verschiedenen Ländern von Regulierungsbehörden, Fernsehsendern, Untertitelungsunternehmen und akademischen Forschungsinstituten verwendet wird, um die Qualität von Live-Untertiteln zu bewerten.

Das NER-Modell

 

swissinfo RSI RTR RTS SRF